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Wärmepumpe

Stromverbrauch einer Wärmepumpe: realistische Werte, ehrlich gerechnet

Zwei Zahlen bestimmen den Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe: der bisherige Heizenergieverbrauch und die Jahresarbeitszahl. Mit Feldtest-Daten des Fraunhofer ISE und dem aktuellen Strompreis rechnen Sie Ihre Kosten in wenigen Minuten selbst aus.

myosolar Editorial Team, RedaktionVeröffentlicht 2. August 2026Aktualisiert 3. August 20267 Min. Lesezeit

Wie wir jede Zahl prüfenZuletzt geprüft 3. August 2026

Hand stellt das Thermostatventil an einem Heizkörper ein

Das Wichtigste in Kürze

  • Stromverbrauch abschätzen heißt: bisherigen Heizenergieverbrauch durch die Jahresarbeitszahl teilen. Bei 20.000 kWh Gasverbrauch und einer JAZ von 3,4 sind das rund 5.900 kWh Strom im Jahr.
  • Beim BDEW-Durchschnittspreis von 37,2 Cent pro Kilowattstunde kostet dieses Beispiel etwa 2.190 Euro Heizstrom pro Jahr.
  • Der Fraunhofer-Feldtest in 77 Bestandsgebäuden der Baujahre 1826 bis 2001 ergab im Mittel eine JAZ von 3,4 für Luft-Wasser- und 4,3 für Erdreich-Wärmepumpen.
  • Zwischen JAZ 3 und JAZ 4 liegen bei 20.000 kWh Heizbedarf rund 620 Euro Stromkosten pro Jahr. Gute Auslegung zahlt sich jedes Jahr erneut aus.
  • Als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach Paragraf 14a EnWG bringt jede neue Wärmepumpe reduzierte Netzentgelte, pauschal 110 bis 190 Euro pro Jahr je nach Netzgebiet.

Ein Einfamilienhaus, das bisher 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr verbraucht hat, kommt mit einer Wärmepumpe bei einer Jahresarbeitszahl von 3,4 auf rund 5.900 Kilowattstunden Strom im Jahr. Beim aktuellen Durchschnittsstrompreis von 37,2 Cent pro Kilowattstunde sind das etwa 2.190 Euro Heizstromkosten. Wie Sie diese Rechnung für Ihr eigenes Haus aufmachen, welche Jahresarbeitszahlen in echten Gebäuden gemessen wurden und an welchen Stellen Sie beim Strompreis ansetzen können, zeigt dieser Artikel mit belegten Zahlen.

Die Formel: Heizenergieverbrauch geteilt durch Jahresarbeitszahl

Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine einfache Überschlagsrechnung: Teilen Sie Ihren bisherigen Heizenergieverbrauch in Kilowattstunden durch die erwartete Jahresarbeitszahl. Wer bisher 18.000 Kilowattstunden Gas verbraucht hat und eine Jahresarbeitszahl von 3 erwartet, landet bei rund 6.000 Kilowattstunden Strom. Die Rechnung ist bewusst grob: Sie überträgt auch die Verluste des alten Kessels in die Schätzung und fällt damit eher zu hoch aus. Als Planungsgrundlage vor dem Angebot ist sie trotzdem der beste Startpunkt, weil sie auf Ihrem tatsächlichen Verbrauch beruht statt auf Katalogwerten.

Woher Sie Ihre Ausgangszahl nehmen

Die Kilowattstunden für die Formel stehen auf Ihrer letzten Heizkostenabrechnung: Gasabrechnungen weisen den Jahresverbrauch direkt in Kilowattstunden aus. Nehmen Sie möglichst den Mittelwert aus zwei oder drei Jahren, damit ein einzelner milder oder strenger Winter das Ergebnis nicht verzerrt. Bei Ölheizungen rechnet der Fachbetrieb den Literverbrauch in Kilowattstunden um. Wichtig ist außerdem, ob das Warmwasser bisher über die Heizung lief oder separat erzeugt wurde, denn das verschiebt die Ausgangszahl spürbar.

Welche Jahresarbeitszahl ist realistisch?

Die Verbraucherzentrale nennt für Luftwärmepumpen typische Jahresarbeitszahlen zwischen 3 und 4, moderne Grundwasserwärmepumpen erreichen oft Werte von 5 und mehr. Entscheidend ist aber nicht der Prospekt, sondern der Betrieb im echten Gebäude.

Genau dort hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE gemessen. Im Projekt WP-QS im Bestand wurden 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001 im Alltagsbetrieb vermessen. Das Ergebnis: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Durchschnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4 bei einer Spanne von 2,6 bis 4,9, Erdreich-Wärmepumpen im Mittel 4,3 bei einer Spanne von 3,6 bis 5,4. Das sind keine Laborwerte, sondern Messdaten aus bewohnten Bestandsgebäuden mit im Mittel 170 Quadratmetern beheizter Fläche. Für Ihre Planung heißt das: Mit einer JAZ um 3,4 rechnen Sie bei einer Luftwärmepumpe realistisch. Alles deutlich darunter ist ein Hinweis auf Fehler in Auslegung oder Einstellung.

Stromverbrauch und Kosten: die Tabelle für typische Häuser

Strom bei JAZ 3

  • 10.000 kWh3.333 kWh
  • 15.000 kWh5.000 kWh
  • 20.000 kWh6.667 kWh
  • 25.000 kWh8.333 kWh
Jährlicher Stromverbrauch und Stromkosten einer Wärmepumpe nach bisherigem Heizenergieverbrauch. Rechenweg: Verbrauch geteilt durch JAZ, bewertet mit 37,2 ct/kWh (BDEW-Durchschnitt Januar 2026 für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch, inklusive Mehrwertsteuer). Werte gerundet.
Zahlen anzeigen
Bisheriger HeizenergieverbrauchStrom bei JAZ 3Kosten bei JAZ 3Strom bei JAZ 4Kosten bei JAZ 4
10.000 kWh3.333 kWh1.240 Euro2.500 kWh930 Euro
15.000 kWh5.000 kWh1.860 Euro3.750 kWh1.395 Euro
20.000 kWh6.667 kWh2.480 Euro5.000 kWh1.860 Euro
25.000 kWh8.333 kWh3.100 Euro6.250 kWh2.325 Euro

Der Abstand zwischen den Spalten ist die eigentliche Botschaft dieser Tabelle: Bei 20.000 Kilowattstunden Heizbedarf liegen zwischen JAZ 3 und JAZ 4 rund 620 Euro Stromkosten pro Jahr. Auf zehn Betriebsjahre gerechnet, konstante Preise unterstellt, sind das über 6.000 Euro. Die Qualität von Auslegung und Einstellung entscheidet damit stärker über Ihre Kosten als der Gerätepreis.

Was den Verbrauch nach oben treibt

  • Hohe Vorlauftemperaturen: Wärmepumpen arbeiten laut Verbraucherzentrale am effizientesten mit Vorlauftemperaturen zwischen 30 und 50 Grad. Jedes Grad mehr kostet Effizienz.
  • Falsche Dimensionierung: Ein zu groß gewähltes Gerät taktet, es schaltet also häufig ein und aus. Das senkt die Effizienz und verschleißt die Technik, warnt die Verbraucherzentrale.
  • Der Heizstab: Springt die elektrische Zusatzheizung oft an, verwandelt sie Strom nur eins zu eins in Wärme und zieht die Jahresarbeitszahl nach unten.
  • Fehlender hydraulischer Abgleich: Ohne ihn verteilt sich die Wärme ungleichmäßig, und einzelne Räume erzwingen höhere Vorlauftemperaturen für das ganze Haus.
  • Warmwasser: Trinkwarmwasser braucht höhere Temperaturen als die Raumheizung und läuft deshalb mit schlechterer Effizienz mit.

Netzentgelte, Tarife, Photovoltaik: drei Hebel beim Strompreis

Seit dem 1. Januar 2024 gilt jede neue Wärmepumpe mit mehr als 4,2 Kilowatt Anschlussleistung als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach Paragraf 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf ihren Strombezug in Engpasssituationen vorübergehend auf bis zu 4,2 Kilowatt reduzieren, der übrige Haushaltsstrom ist davon nicht betroffen. Im Gegenzug erhalten Sie reduzierte Netzentgelte: pauschal je nach Netzgebiet 110 bis 190 Euro pro Jahr (Modul 1) oder einen auf 40 Prozent reduzierten Netzentgelt-Arbeitspreis (Modul 2). Seit April 2025 lässt sich Modul 1 zusätzlich mit zeitvariablen Netzentgelten kombinieren (Modul 3).

Spezielle Wärmepumpentarife und dynamische Stromtarife können den Preis pro Kilowattstunde weiter drücken. Die Konditionen unterscheiden sich aber stark nach Anbieter und Region, weshalb sich hier keine pauschale Zahl seriös nennen lässt. Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, ob sich ein separater Zählpunkt für die Wärmepumpe in Ihrem Fall rechnet.

Wer eine Photovoltaikanlage besitzt oder plant, senkt die Kosten zusätzlich: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom kostet Sie nur die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 Cent (bei Inbetriebnahme zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027) statt 37,2 Cent Netzstrom. Ehrlich bleibt: Die Wärmepumpe braucht den meisten Strom im Winter, wenn die Anlage am wenigsten liefert. Eine Photovoltaikanlage erzeugt in Deutschland rund 1.025 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Leistung und Jahr, je nach Standort etwa plus minus 10 Prozent, der Großteil davon außerhalb der Heizperiode.

Und gegenüber der Gasheizung?

Ob die Wärmepumpe im Betrieb günstiger heizt als Ihr alter Kessel, hängt von Ihrem konkreten Gaspreis ab, und der variiert je nach Vertrag zu stark für eine seriöse Pauschalaussage. Eindeutig ist dagegen die Klimabilanz: Im Feldtest des Fraunhofer ISE lagen die CO2-Emissionen der vermessenen Wärmepumpen, gerechnet mit dem deutschen Strommix des Jahres 2024, um 64 Prozent niedriger als bei Gasheizungen.

Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe pro Jahr?
Das hängt vom Heizbedarf des Gebäudes ab. Nach der Formel der Verbraucherzentrale, bisheriger Heizenergieverbrauch geteilt durch die Jahresarbeitszahl, ergeben sich für Einfamilienhäuser mit 10.000 bis 25.000 kWh bisherigem Verbrauch etwa 2.500 bis 8.300 kWh Strom pro Jahr, je nach Effizienz der Anlage.
Wie berechne ich den Stromverbrauch einer Wärmepumpe?
Teilen Sie Ihren bisherigen Heizenergieverbrauch in Kilowattstunden durch die erwartete Jahresarbeitszahl. Beispiel: 15.000 kWh Gas geteilt durch eine JAZ von 3 ergibt rund 5.000 kWh Strom. Die Schätzung fällt eher zu hoch aus, weil die Verluste des alten Kessels mit eingerechnet werden.
Was kostet eine Wärmepumpe an Strom im Monat?
Im Beispiel mit 20.000 kWh Heizbedarf und einer JAZ von 3,4 fallen rund 5.900 kWh Strom im Jahr an, also etwa 2.190 Euro oder gut 180 Euro im Monat, gerechnet mit dem BDEW-Durchschnittspreis von 37,2 Cent pro Kilowattstunde. Der Verbrauch konzentriert sich dabei stark auf die Wintermonate.
Welche Jahresarbeitszahl ist gut?
Ab einer JAZ von mindestens 3 gilt eine Wärmepumpe laut Verbraucherzentrale als effizient. Im Fraunhofer-Feldtest erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden im Mittel 3,4, Erdreich-Wärmepumpen 4,3. Werte darüber sprechen für gute Planung und niedrige Vorlauftemperaturen.
Warum verbraucht meine Wärmepumpe so viel Strom?
Die häufigsten Ursachen sind zu hohe Vorlauftemperaturen, ein zu groß ausgelegtes Gerät, das ständig taktet, ein oft anspringender Heizstab und ein fehlender hydraulischer Abgleich. Vergleichen Sie Ihre gemessene JAZ mit den Feldtestwerten: Liegt sie deutlich unter 3, lohnt eine Überprüfung der Einstellungen.
Kann der Netzbetreiber meiner Wärmepumpe den Strom abstellen?
Nein. Nach Paragraf 14a EnWG darf er den Bezug neuer steuerbarer Wärmepumpen bei drohender Netzüberlastung vorübergehend auf bis zu 4,2 Kilowatt reduzieren, komplett abschalten darf er sie nicht. Der übrige Haushaltsstrom bleibt unberührt, und im Gegenzug zahlen Sie reduzierte Netzentgelte.
Lohnt sich Photovoltaik für die Wärmepumpe?
Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom ersetzt Netzstrom für 37,2 Cent und kostet Sie nur die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 Cent. Da die Wärmepumpe vor allem im Winter Strom braucht und die Anlage vor allem von Frühjahr bis Herbst liefert, deckt Photovoltaik realistisch nur einen Teil des Wärmepumpenstroms.

Quellen

  1. BDEW Strompreisanalyse Januar 2026, Haushaltsstrompreis 37,2 ct/kWhbdew.de
  2. Verbraucherzentrale, Wärmepumpe: Alles, was Sie wissen müssenverbraucherzentrale.de
  3. Fraunhofer ISE, Presseinformation: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich (November 2025)ise.fraunhofer.de
  4. Verbraucherzentrale Saarland, Falsche Dimensionierung von Wärmepumpen kann teuer werdenverbraucherzentrale-saarland.de
  5. Bundesnetzagentur, Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (Paragraf 14a EnWG)bundesnetzagentur.de
  6. Bundesnetzagentur, EEG-Förderung: Fördersätze ab 1. August 2026bundesnetzagentur.de
  7. Verbraucherzentrale, So kalkuliert der Solarrechner (Ertrag 1.025 kWh je kWp)verbraucherzentrale.de

Wir sagen Ihnen, wenn sich die Regeln ändern

Eine E-Mail, wenn sich Tarif, Förderung oder Steuerregel in Ihrem Land ändern. Sonst nichts.

Frankreich hat die Einspeisevergütung am 5. Juni 2026 gesenkt, Deutschland senkt am 1. Februar 2027 um 1 Prozent, die Schweiz stellt am 1. Januar 2027 auf stündliche Preise um. Sie hätten es gewusst.

Verfasst von

myosolar Editorial Team

Redaktion

Die myosolar Redaktion recherchiert und aktualisiert jeden Artikel mit belegten Quellen.

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