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Wärmepumpe

Wärmepumpe im Altbau: Was der Fraunhofer-Feldtest wirklich zeigt

77 vermessene Anlagen in Gebäuden der Baujahre 1826 bis 2001, mittlere Jahresarbeitszahl 3,4 mit Luft-Wasser-Geräten: Die Felddaten widersprechen der verbreiteten Annahme, ein Altbau brauche erst die Komplettsanierung.

myosolar Editorial Team, RedaktionVeröffentlicht 2. August 2026Aktualisiert 4. August 20267 Min. Lesezeit

Wie wir jede Zahl prüfenZuletzt geprüft 4. August 2026

Reihe von Wärmepumpen an der Aussenwand eines Gebäudes

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Fraunhofer-Feldtest hat 77 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden der Baujahre 1826 bis 2001 vermessen: Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine JAZ von 3,4, Erdreich-Anlagen 4,3.
  • Eine Sanierung auf Neubaustandard war dafür nicht nötig: Von den vor 1977 errichteten Gebäuden hatte nur rund die Hälfte eine nachträgliche Fassadendämmung, die jüngeren waren durchweg unsaniert.
  • Die CO2-Emissionen der vermessenen Wärmepumpen lagen mit dem Strommix 2024 um 64 Prozent unter denen von Gasheizungen.
  • Der 55-Grad-Test der Verbraucherzentrale zeigt kostenlos, ob Ihr Haus bereit ist: Vorlauf an einem kalten Tag auf 55 Grad begrenzen, Thermostate auf Stufe 3, alle Räume müssen warm werden.
  • Luft-Wasser-Wärmepumpen kosten laut Verbraucherzentrale 25.000 bis 45.000 Euro, die BEG-Förderung übernimmt 30 bis 70 Prozent von maximal 30.000 Euro förderfähigen Kosten.

Ja, Wärmepumpen funktionieren in vielen Altbauten, und das ist keine Vermutung, sondern Messergebnis. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001 im Alltagsbetrieb vermessen: Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, Erdreich-Anlagen 4,3, ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert wurden. Dieser Artikel zeigt, was die Daten hergeben, wo die Grenzen liegen und wie Sie mit einem einfachen Test prüfen, ob Ihr Haus bereit ist.

Der Feldtest: 77 Anlagen, Baujahre 1826 bis 2001

Im Projekt „Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand“ (WP-QS im Bestand), gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium, hat das Fraunhofer ISE 61 Luft-Wasser- und 16 Sole-Wasser-Wärmepumpen messtechnisch begleitet. Die Häuser waren zwischen 90 und 370 Quadratmeter groß, im Mittel 170 Quadratmeter, und stammten aus fast zwei Jahrhunderten Baugeschichte. Entscheidend: Es waren keine Vorzeigeobjekte. Von den vor 1977 errichteten Gebäuden hatte nur rund die Hälfte (51 Prozent) nachträglich eine Fassadendämmung erhalten, die nach 1977 errichteten Häuser waren durchweg unsaniert.

Anlagen im Feldtest

  • Luft-Wasser61
  • Erdreich (Sole-Wasser)16
Gemessene Jahresarbeitszahlen im Fraunhofer-Feldtest WP-QS im Bestand (Presseinformation November 2025). Bestandsgebäude der Baujahre 1826 bis 2001.
Zahlen anzeigen
WärmequelleAnlagen im FeldtestJAZ im MittelJAZ-Spanne
Luft-Wasser613,42,6 bis 4,9
Erdreich (Sole-Wasser)164,33,6 bis 5,4

Zur Einordnung: Ab einer Jahresarbeitszahl von 3 gilt eine Wärmepumpe laut Verbraucherzentrale als effizient. Der Mittelwert der Luft-Wasser-Anlagen liegt darüber, und zwar in Häusern, die zum Teil deutlich älter als 100 Jahre sind. Auch die Klimabilanz wurde gemessen: Die CO2-Emissionen lagen mit dem deutschen Strommix von 2024 um 64 Prozent unter denen von Gasheizungen.

Balkendiagramm der gemessenen Jahresarbeitszahlen: Luft-Wasser im Mittel 3,4 bei einer Spanne von 2,6 bis 4,9, Erdreich im Mittel 4,3 bei einer Spanne von 3,6 bis 5,4
Beide Mittelwerte liegen über der Effizienzschwelle von 3; die Spanne zeigt, dass die Planungsqualität entscheidet.Bildnachweis: Grafik myosolar nach Daten des Fraunhofer ISE

Warum das einer verbreiteten Annahme widerspricht

Hartnäckig hält sich die Regel, ein Altbau brauche erst Fußbodenheizung und Vollsanierung, bevor eine Wärmepumpe denkbar sei. Die Felddaten sagen etwas anderes, und sie erklären auch, warum: Ausreichend dimensionierte Heizkörper können im Mittel mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden wie Flächenheizungen, so das Fraunhofer ISE. Niedrige Vorlauftemperaturen sind der eigentliche Schlüssel zur Effizienz: Als Niedertemperatursystem erwärmt die Wärmepumpe ihre Heizflächen laut Verbraucherzentrale auf 35 bis 55 Grad. Ob diese Temperaturen mit Heizkörpern oder Fußbodenheizung erreicht werden, ist zweitrangig. Es zählt die Fläche, die die Wärme an den Raum abgibt.

Der 55-Grad-Test: Prüfen Sie Ihr Haus an einem kalten Wintertag

Die Verbraucherzentrale empfiehlt einen Praxistest, der nichts kostet und keine Fachfirma braucht. So gehen Sie vor:

  1. Begrenzen Sie an einem möglichst kalten Wintertag die Vorlauftemperatur Ihrer bestehenden Heizung auf 55 Grad.
  2. Drehen Sie die Thermostate in allen Räumen auf Stufe 3.
  3. Prüfen Sie über den Tag, ob alle Räume angenehm warm werden.
  4. Werden alle Räume warm, ist Ihr Haus voraussichtlich ohne größere Umbauten wärmepumpentauglich.
  5. Bleiben einzelne Räume kalt, notieren Sie welche: Oft genügt es laut Verbraucherzentrale, genau dort einzelne Heizkörper gegen größere zu tauschen.

Welche JAZ ist im Altbau realistisch, und was heißt das in Euro?

Die Spanne im Feldtest reicht bei Luft-Wasser-Geräten von 2,6 bis 4,9. Diese Streuung ist die ehrlichste Zahl der ganzen Untersuchung, denn sie zeigt: Der Altbau an sich ist selten das Problem, die Planungsqualität entscheidet. Zu hohe Vorlauftemperaturen, ein fehlender hydraulischer Abgleich oder ein falsch dimensioniertes Gerät kosten Effizienz. Finanziell bedeutet das nach der Formel der Verbraucherzentrale: Bei 20.000 Kilowattstunden Heizenergiebedarf und dem BDEW-Strompreis von 37,2 Cent pro Kilowattstunde kostet das Heizjahr mit einer JAZ von 2,6 rund 2.862 Euro, mit dem Feldtest-Mittelwert von 3,4 rund 2.188 Euro. Die Differenz von fast 700 Euro pro Jahr ist der Preis schlechter Planung.

Dass es auch schiefgehen kann, dokumentiert die Vorgängeruntersuchung des Fraunhofer ISE: Dort markierte eine einzelne Erdreich-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 1,8 die Grenze des zweckmäßigen Betriebs. Solche Ausreißer entstehen nicht durch das Gebäude allein, sondern durch die Kombination aus Auslegung, Einstellung und Wärmeübergabe. Ein Altbau verzeiht Planungsfehler weniger als ein Neubau, das ist der wahre Kern der verbreiteten Skepsis.

Kosten und Förderung im Altbau

Für Luft-Wasser-Wärmepumpen, den mit Abstand häufigsten Typ, nennt die Verbraucherzentrale aktuell Investitionskosten von 25.000 bis 45.000 Euro. Die staatliche Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) deckt je nach Fall 30 bis 70 Prozent der förderfähigen Kosten von maximal 30.000 Euro ab, das ergibt Zuschüsse zwischen 9.000 und 21.000 Euro. Unter dem Strich bleibt der Umstieg eine fünfstellige Investition, deren Wirtschaftlichkeit mit jedem Zehntel Jahresarbeitszahl besser wird. Holen Sie deshalb Angebote von zwei bis drei regionalen Fachbetrieben ein und verlangen Sie eine raumweise Heizlastberechnung samt JAZ-Prognose für Ihr konkretes Gebäude. Die Unterschiede zwischen Angeboten sind erheblich: Die Verbraucherzentrale dokumentiert Leistungsspannen von 6 bis 12 Kilowatt für dasselbe Haus.

Wärmepumpe plus Photovoltaik: die zweite Rechnung im Altbau

Viele Altbau-Eigentümer planen Wärmepumpe und Photovoltaik zusammen, und die Kombination rechnet sich über den Eigenverbrauch: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die die Wärmepumpe direkt verbraucht, ersetzt Netzstrom für 37,2 Cent und kostet Sie nur die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 Cent (bei Inbetriebnahme zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027). Ehrlich bleibt: Der größte Wärmebedarf fällt in die dunklen Monate, in denen die Photovoltaikanlage am wenigsten liefert. Die Anlage senkt die Stromkosten der Wärmepumpe spürbar in der Übergangszeit und beim Warmwasser im Sommer, einen Wintertarif ersetzt sie nicht.

Wann der Altbau noch nicht bereit ist

Es gibt sie, die Häuser, die erst Hausaufgaben brauchen. Scheitert der 55-Grad-Test in mehreren Räumen und lässt sich das nicht mit dem Tausch einzelner Heizkörper lösen, senken gezielte Einzelmaßnahmen die benötigte Vorlauftemperatur: eine gedämmte Kellerdecke, ein gedämmtes Dach, neue Fenster. Jede dieser Maßnahmen reduziert die Heizlast, und die spätere Wärmepumpe kann kleiner und günstiger ausfallen. Eine Komplettsanierung auf Neubaustandard verlangt der Feldtest ausdrücklich nicht. Aber ein Haus, das selbst mit 55 Grad Vorlauf nicht warm wird, sollte erst gedämmt und dann elektrifiziert werden.

Häufige Fragen

Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?
In vielen Fällen ja. Im Fraunhofer-Feldtest waren die nach 1977 errichteten Gebäude durchweg unsaniert, von den älteren hatte nur rund die Hälfte eine nachträgliche Fassadendämmung. Trotzdem lag die mittlere Jahresarbeitszahl der Luft-Wasser-Anlagen bei 3,4. Entscheidend ist, dass das Haus mit maximal 55 Grad Vorlauftemperatur warm wird.
Braucht eine Wärmepumpe im Altbau eine Fußbodenheizung?
Nein. Ausreichend dimensionierte Heizkörper laufen laut Fraunhofer ISE im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie Flächenheizungen. Wo einzelne Heizkörper zu klein sind, genügt oft der gezielte Tausch gegen größere Modelle.
Wie finde ich heraus, ob mein Haus für eine Wärmepumpe geeignet ist?
Mit dem 55-Grad-Test der Verbraucherzentrale: An einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur der bestehenden Heizung auf 55 Grad begrenzen und die Thermostate auf Stufe 3 stellen. Werden alle Räume warm, ist das Haus voraussichtlich wärmepumpentauglich. Der Test kostet nichts.
Welche Jahresarbeitszahl ist im Altbau realistisch?
Der Feldtest ergab für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel 3,4 bei einer Spanne von 2,6 bis 4,9, für Erdreich-Anlagen im Mittel 4,3. Ab einer JAZ von 3 gilt eine Anlage laut Verbraucherzentrale als effizient. Die große Spanne zeigt: Planung und Einstellung entscheiden mehr als das Baujahr.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Die Verbraucherzentrale nennt für Luft-Wasser-Wärmepumpen 25.000 bis 45.000 Euro Investitionskosten. Die BEG-Förderung übernimmt 30 bis 70 Prozent von maximal 30.000 Euro förderfähigen Kosten, also 9.000 bis 21.000 Euro. Beim Betrieb gilt: 20.000 kWh Heizbedarf kosten bei einer JAZ von 3,4 rund 2.188 Euro Strom pro Jahr, gerechnet mit 37,2 ct/kWh.
Muss ich vor der Wärmepumpe erst dämmen?
Nicht grundsätzlich. Der Feldtest zeigt ausdrücklich, dass keine Sanierung auf Neubaustandard nötig ist. Wird das Haus aber selbst mit 55 Grad Vorlauftemperatur nicht warm, senken Einzelmaßnahmen wie Kellerdecken- oder Dachdämmung die Heizlast. Die Wärmepumpe kann danach kleiner ausgelegt werden und läuft effizienter.
Wie klimafreundlich ist eine Wärmepumpe im Altbau wirklich?
Im Feldtest lagen die CO2-Emissionen der Wärmepumpen mit dem deutschen Strommix des Jahres 2024 um 64 Prozent unter denen von Gasheizungen, gemessen an realen Anlagen, nicht gerechnet am Datenblatt. Mit jedem Jahr, in dem der Strommix grüner wird, wächst dieser Vorsprung weiter.

Quellen

  1. Fraunhofer ISE, Presseinformation: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich (November 2025)ise.fraunhofer.de
  2. Fraunhofer ISE, Effizienzanalyse von Wärmepumpen im Bestand (Feldtest WPsmart im Bestand)ise.fraunhofer.de
  3. Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Wann laufen Wärmepumpen im Altbau optimal?verbraucherzentrale.sh
  4. Verbraucherzentrale Thüringen, So arbeiten Wärmepumpen im Altbau optimalvzth.de
  5. Verbraucherzentrale, Wärmepumpe: Alles, was Sie wissen müssenverbraucherzentrale.de
  6. Verbraucherzentrale Saarland, Falsche Dimensionierung von Wärmepumpen kann teuer werdenverbraucherzentrale-saarland.de
  7. BDEW Strompreisanalyse Januar 2026, Haushaltsstrompreis 37,2 ct/kWhbdew.de
  8. Bundesnetzagentur, EEG-Förderung: Fördersätze ab 1. August 2026bundesnetzagentur.de

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Frankreich hat die Einspeisevergütung am 5. Juni 2026 gesenkt, Deutschland senkt am 1. Februar 2027 um 1 Prozent, die Schweiz stellt am 1. Januar 2027 auf stündliche Preise um. Sie hätten es gewusst.

Verfasst von

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