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Wallbox und Elektroauto

Überschussladen: Solarstrom ins E-Auto für 7,70 statt 37,2 Cent

Jede Kilowattstunde Sonnenstrom im Auto kostet Sie nur die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 Cent statt 37,2 Cent für Netzstrom. Wie die Technik funktioniert, was sie braucht und wo ihre Grenzen liegen.

myosolar Editorial Team, RedaktionVeröffentlicht 2. August 2026Aktualisiert 3. August 20268 Min. Lesezeit

Wie wir jede Zahl prüfenZuletzt geprüft 3. August 2026

Blaues Elektroauto lädt in der Einfahrt an einer Wallbox neben der Garage

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine überschussgeladene Kilowattstunde kostet den Haushalt 7,70 Cent entgangene Einspeisevergütung statt 37,2 Cent Netzstrom: Ersparnis 29,5 Cent pro Kilowattstunde.
  • Auf 100 Kilometer gerechnet: 1,54 Euro mit PV-Überschuss statt 7,44 Euro mit Netzstrom, bei 20 kWh Verbrauch je 100 Kilometer.
  • Bei 10.000 Kilometern im Jahr sind bis zu 590 Euro Ersparnis möglich, wenn alle Kilometer aus Überschuss geladen werden.
  • Die meisten E-Autos laden erst ab etwa 1,4 kW einphasig beziehungsweise 4,2 kW dreiphasig. Eine Wallbox mit automatischer Phasenumschaltung nutzt deshalb auch kleine Überschüsse.
  • In Stunden mit negativem Spotmarktpreis bringt Einspeisen für Anlagen mit intelligentem Messsystem null Cent (Paragraf 51 EEG), dann spart das Laden ins Auto die vollen 37,2 Cent je Kilowattstunde.

Beim Überschussladen lädt die Wallbox Ihr Elektroauto nur mit dem Solarstrom, der sonst ins Netz fließen würde. Wirtschaftlich heißt das: Die Kilowattstunde im Akku kostet Sie die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 Cent statt 37,2 Cent für Netzstrom, eine Ersparnis von 29,5 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Artikel rechnet das Prinzip transparent durch, listet die technischen Voraussetzungen auf und benennt ehrlich, wo die Grenzen liegen.

Die Rechnung, um die es geht

Solarstrom vom eigenen Dach ist nicht gratis, er hat einen präzisen Preis: den Erlös, auf den Sie verzichten, wenn Sie ihn nicht einspeisen. Für Anlagen bis 10 kWp, die zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 in Betrieb gehen, zahlt die Überschusseinspeisung laut Bundesnetzagentur 7,70 Cent pro Kilowattstunde. Netzstrom kostet im Durchschnitt 37,2 Cent pro Kilowattstunde (BDEW-Strompreisanalyse Januar 2026, Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch, inklusive Mehrwertsteuer). Jede Kilowattstunde, die statt ins Netz in Ihr Auto fließt, spart also 37,2 Cent minus 7,70 Cent, das sind 29,5 Cent.

Netzstrom

  • 100 Kilometer7,44 Euro
  • 10.000 Kilometer pro Jahr (2.000 kWh)744 Euro
  • 15.000 Kilometer pro Jahr (3.000 kWh)1.116 Euro
Fahrstromkosten im Vergleich. Basis: Verbrauch 20 kWh je 100 Kilometer (ADAC-Rechenannahme), Netzstrom 37,2 ct/kWh (BDEW Januar 2026), PV-Überschuss bewertet mit der entgangenen Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh (Bundesnetzagentur, Inbetriebnahme 1.8.2026 bis 31.1.2027). Werte gerundet.
Zahlen anzeigen
StreckeNetzstromPV-ÜberschussErsparnis
100 Kilometer7,44 Euro1,54 Euro5,90 Euro
10.000 Kilometer pro Jahr (2.000 kWh)744 Euro154 Euro590 Euro
15.000 Kilometer pro Jahr (3.000 kWh)1.116 Euro231 Euro885 Euro

Was Sie technisch brauchen

Überschussladen ist weniger eine Frage der Photovoltaikanlage als der Kommunikation zwischen drei Komponenten: Ein Messpunkt am Netzanschluss erfasst, ob gerade eingespeist wird. Ein Energiemanagement oder die Wallbox selbst wertet diese Information aus. Und die Wallbox passt ihren Ladestrom laufend an den verfügbaren Überschuss an. Der ADAC unterscheidet drei Stufen:

  • Manuell: Sie starten das Laden bei Sonnenschein von Hand und begrenzen die Ladeleistung. Das kostet nichts extra, nutzt den Überschuss aber nur grob.
  • Automatisch: Ein Energiemanagement oder Messsystem meldet den Überschuss, die Wallbox regelt selbstständig nach. Das ist der übliche Weg.
  • Dynamisch mit Phasenumschaltung: Die Wallbox wechselt automatisch zwischen einphasigem und dreiphasigem Laden und verwertet so auch kleine Überschüsse.

Beim Kauf zählt deshalb weniger das Modell als die Regelfähigkeit: Kann die Box ihren Ladestrom dynamisch anpassen, und beherrscht sie die automatische Phasenumschaltung? Beide Eigenschaften stehen im Datenblatt, und beide sollten Sie vor der Installation klären, nicht danach.

Die 1,4-kW-Grenze: Warum kleine Überschüsse sonst verpuffen

Elektroautos laden nicht ab null: Die meisten Fahrzeuge beginnen laut ADAC erst ab einer Ladeleistung von mindestens 1,4 Kilowatt, und beim dreiphasigen Laden liegt die Untergrenze bei mindestens 4,2 Kilowatt (3 mal 1,4 Kilowatt). Eine dreiphasig angeschlossene Wallbox ohne Phasenumschaltung startet also erst, wenn mehr als 4,2 Kilowatt Überschuss vorhanden sind. An einem wechselhaften Tag bleibt das Auto dann oft ungeladen, obwohl die Anlage stundenlang eingespeist hat. Mit automatischer Phasenumschaltung lädt die Box schon ab etwa 1,4 Kilowatt einphasig und schaltet bei viel Sonne auf drei Phasen um. Für kleinere Anlagen ist diese Funktion der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Wie viel Photovoltaik-Leistung brauchen Sie?

Eine Anlage mit 10 kWp erzeugt in Deutschland rund 10.250 Kilowattstunden im Jahr, gerechnet mit dem Richtwert der Verbraucherzentrale von 1.025 Kilowattstunden je Kilowatt Leistung, standortabhängig etwa plus minus 10 Prozent. Ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch (BDEW-Referenzwert) und einem E-Auto mit 10.000 Jahreskilometern, das nach der ADAC-Annahme rund 2.000 Kilowattstunden braucht, kommt zusammen auf etwa 5.500 Kilowattstunden. Rein bilanziell erzeugt die Anlage also fast das Doppelte des Bedarfs. Entscheidend ist aber nicht die Jahresbilanz, sondern die Gleichzeitigkeit: Geladen wird nur der Überschuss, der anfällt, während das Auto tatsächlich zu Hause steht.

Ein Batteriespeicher entschärft das Gleichzeitigkeitsproblem nur teilweise, denn er konkurriert mit dem Auto um denselben Überschuss und kostet laut Verbraucherzentrale einschließlich Installation etwa 400 bis 800 Euro je Kilowattstunde Kapazität. Wer vor allem das Auto günstig laden will, sollte zuerst in die regelfähige Wallbox investieren und den Speicher als eigene Anschaffung durchrechnen.

Formalitäten: Anmeldung und Paragraf 14a

Für die Wallbox gelten die üblichen Regeln: Sie ist dem Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme mitzuteilen (Paragraf 19 NAV), und als neue steuerbare Verbrauchseinrichtung mit mehr als 4,2 Kilowatt fällt sie unter Paragraf 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf die Ladeleistung bei drohender Netzüberlastung zeitweise auf bis zu 4,2 Kilowatt reduzieren, im Gegenzug sinken Ihre Netzentgelte pauschal um 110 bis 190 Euro pro Jahr je nach Netzgebiet. Dem Überschussladen steht ein solcher Eingriff nicht im Weg, er kappt nur die Spitze.

Ein Blick nach vorn stärkt das Argument zusätzlich: Nach Paragraf 51 EEG verringert sich der anzulegende Wert für Zeiträume mit negativem Spotmarktpreis auf null, sobald die Anlage über ein intelligentes Messsystem verfügt. Negative Preise treten vor allem dann auf, wenn viel Solarstrom im Netz ist. Strom, den Sie in solchen Stunden ins Auto statt ins Netz schicken, hätte beim Einspeisen nichts eingebracht, die Ersparnis steigt dann von 29,5 auf die vollen 37,2 Cent je Kilowattstunde.

Die Grenzen, ehrlich benannt

  • Das Auto ist oft weg, wenn die Sonne scheint: Der ADAC benennt das Kernproblem, E-Autos sind gerade um die Mittagszeit oft unterwegs. Wer tagsüber zu Hause ist oder im Homeoffice arbeitet, profitiert am meisten.
  • Winterlücke: Der Solarertrag konzentriert sich auf Frühjahr bis Herbst. In den dunklen Monaten laden Sie überwiegend Netzstrom, gegebenenfalls gezielt in günstigen Stunden eines dynamischen Tarifs.
  • Ladeverluste: Ein Teil der Energie geht auf dem Weg in den Akku verloren. Das gilt für Netzstrom allerdings genauso und ändert am Kostenvorteil nichts.
  • Geduld gehört dazu: Überschussladen folgt der Sonne statt dem Maximum der Wallbox. Wer sofort einen vollen Akku braucht, lädt mit voller Leistung und zahlt dafür den Netzpreis für den zugekauften Anteil.

Wann sich die Solarfunktion bezahlt macht

Die Größenordnung ist klar: bis zu 590 Euro Ersparnis bei 10.000 Kilometern im Jahr, wenn alle Kilometer aus Überschuss geladen würden. Realistisch erreichen Sie einen Teil davon, abhängig davon, wann das Auto zu Hause steht. Der Aufpreis für die Fähigkeit ist überschaubar: Premiumgeräte mit Zähler und Solarfunktionen kosten laut ADAC 1.000 bis 2.000 Euro, die Mittelklasse 500 bis 1.000 Euro. Wer regelmäßig tagsüber zu Hause lädt, holt diese Differenz über die Stromkostenersparnis in wenigen Jahren wieder herein, und mit jedem Cent, um den sich Netzstrom und Einspeisevergütung weiter auseinanderentwickeln, wächst der Vorteil.

Häufige Fragen

Was ist Überschussladen?
Die Wallbox lädt das Elektroauto nur mit dem Solarstrom, den Haushalt und andere Verbraucher gerade nicht brauchen und der sonst ins Netz eingespeist würde. Dafür misst ein Zähler am Netzanschluss den Überschuss, und die Wallbox passt ihren Ladestrom laufend daran an.
Lohnt sich Überschussladen wirklich?
Die Arithmetik ist eindeutig: Statt 37,2 Cent für Netzstrom kostet die Kilowattstunde nur die entgangene Einspeisevergütung von 7,70 Cent, also 29,5 Cent weniger. Bei 10.000 Kilometern im Jahr sind das bis zu 590 Euro. Wie viel Sie davon realisieren, hängt davon ab, wie oft das Auto tagsüber zu Hause steht.
Welche Wallbox kann Überschussladen?
Eine Box, die ihren Ladestrom dynamisch regeln kann und mit einem Energiemanagement oder Messsystem am Netzanschluss kommuniziert. Für kleine Überschüsse ist eine automatische Phasenumschaltung wichtig, damit das Laden schon ab etwa 1,4 Kilowatt statt erst ab 4,2 Kilowatt beginnt.
Wie viel kWp brauche ich, um mein E-Auto zu laden?
Für 10.000 Kilometer braucht ein E-Auto nach der ADAC-Annahme rund 2.000 Kilowattstunden. Rein bilanziell erzeugen schon rund 2 kWp diese Menge (bei 1.025 kWh je kWp und Jahr). Praktisch zählt die Gleichzeitigkeit von Erzeugung und Ladezeit, deshalb liefern größere Anlagen deutlich mehr nutzbaren Überschuss.
Kann ich mein E-Auto komplett mit Solarstrom laden?
Realistisch nein. Im Winter liefert die Anlage wenig, und tagsüber ist das Auto oft unterwegs, genau das benennt auch der ADAC als Kernproblem. Überschussladen senkt die Fahrstromkosten deutlich, ersetzt aber nicht jede Netzladung.
Was passiert beim Überschussladen, wenn Wolken aufziehen?
Sinkt der Überschuss unter die Mindestladeleistung des Autos von etwa 1,4 Kilowatt einphasig, pausiert der Ladevorgang. Gute Systeme überbrücken kurze Einbrüche, schalten auf einphasiges Laden um oder mischen auf Wunsch gezielt Netzstrom zu, das legen Sie in der Konfiguration fest.
Brauche ich einen Batteriespeicher für das Überschussladen?
Nein. Der Speicher konkurriert sogar mit dem Auto um denselben Überschuss und kostet laut Verbraucherzentrale 400 bis 800 Euro je Kilowattstunde Kapazität. Das Auto selbst ist beim Überschussladen der Speicher, in den der Solarstrom fließt.

Quellen

  1. Bundesnetzagentur, EEG-Förderung: Fördersätze ab 1. August 2026 (Überschusseinspeisung 7,70 ct/kWh)bundesnetzagentur.de
  2. BDEW Strompreisanalyse Januar 2026, Haushaltsstrompreis 37,2 ct/kWhbdew.de
  3. ADAC, E-Auto mit eigenem Solarstrom ladenadac.de
  4. Verbraucherzentrale, So kalkuliert der Solarrechner (Ertrag 1.025 kWh je kWp)verbraucherzentrale.de
  5. Verbraucherzentrale, Lohnen sich Batteriespeicher für Photovoltaikanlagen?verbraucherzentrale.de
  6. Paragraf 51 EEG, anzulegender Wert bei negativen Spotmarktpreisenlxgesetze.de
  7. Paragraf 19 NAV, Mitteilungspflicht für Ladeeinrichtungenlxgesetze.de
  8. Bundesnetzagentur, Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen (Paragraf 14a EnWG)bundesnetzagentur.de

Wir sagen Ihnen, wenn sich die Regeln ändern

Eine E-Mail, wenn sich Tarif, Förderung oder Steuerregel in Ihrem Land ändern. Sonst nichts.

Frankreich hat die Einspeisevergütung am 5. Juni 2026 gesenkt, Deutschland senkt am 1. Februar 2027 um 1 Prozent, die Schweiz stellt am 1. Januar 2027 auf stündliche Preise um. Sie hätten es gewusst.

Verfasst von

myosolar Editorial Team

Redaktion

Die myosolar Redaktion recherchiert und aktualisiert jeden Artikel mit belegten Quellen.

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